Definition
Latente Steuern stellen Steuerverbindlichkeiten oder Steueransprüche dar, die in der Rechnungslegung aus temporären Differenzen zwischen den Buchwerten von Vermögenswerten und Schulden und deren steuerlichen Grundlagen oder aus nicht genutzten steuerlichen Verlusten und Gutschriften entstehen und voraussichtlich das künftige zu versteuernde Einkommen beeinflussen.

Prinzip

Prinzip
Das zugrundeliegende Prinzip ist das Matching: Steuerwirkungen von Geschäftsvorfällen sollen in denselben Perioden erfasst werden wie das zugehörige Rechnungsergebnis, sodass zeitliche Differenzen, die sich künftig ausgleichen, latente Steuerposten erzeugen.

Demonstration

Demonstration
Ein Unternehmen nutzt für Steuerzwecke eine beschleunigte Abschreibung, während bilanziell linear abgeschrieben wird. Das zu versteuernde Einkommen ist zunächst geringer, wodurch eine latente Steuerverbindlichkeit entsteht, die in späteren Perioden ausgleicht, wenn die buchmäßige Abschreibung die steuerliche übersteigt.

Fehlanwendung

Fehlanwendung
Kein Ansatz latenter Steuern auf temporäre Differenzen oder der unangemessene Ansatz eines latenten Steueranspruchs für unsichere künftige Steuervergünstigungen führt zu einer falschen Darstellung der Nettovermögenslage und der erwarteten künftigen Steueraufwendungen.

Konsequenz

Konsequenz
Richtige Erfassung stimmt den bilanziellen Gewinn mit den erwarteten künftigen Steuerzahlungen ab, informiert über den zeitlichen Ablauf von Steuerzahlungen und beeinflusst das Eigenkapital durch erfolgswirksame Steuerneutralisierungen.

Umkehrung

Umkehrung
Das Gegenteil ist, Steuern nur bei Zahlung oder Fälligkeit zu erfassen, ohne zeitliche Differenzen zu berücksichtigen, wodurch die steuerlichen Folgen von den sie verursachenden Perioden getrennt werden.

Abgrenzung

Abgrenzung
Gilt für steuerpflichtige und abzugsfähige temporäre Differenzen sowie nicht genutzte Verluste und Gutschriften, sofern die Realisierbarkeit wahrscheinlich ist; ausgenommen sind permanente Differenzen, die nie auslaufen, und Posten außerhalb der Steuerbasis.

Semantische Spannung

Semantische Spannung
Die Spannung besteht zwischen tatsächlich gezahlter Steuer und periodenabgrenzungsbasierter Erfolgsrechnung; latente Steuern überbrücken den zeitlichen Unterschied, erfordern aber Schätzungen zur künftigen Ertragslage und Auslegung des Steuerrechts.

Synthese

Synthese
Latente Steuern übersetzen zeitliche Differenzen zwischen handelsrechtlicher und steuerlicher Bilanzierung in erkennbare Vermögenswerte oder Verbindlichkeiten und machen so die künftigen Steuerfolgen der aktuellen Ergebniserstellung sichtbar.